November 2014

Karibik

Die meisten Touristen, welche die Karibik besuchten oder planen, einmal dort hin zu fliegen, tun dies vermutlich, um unvergessliche Badeferien geniessen zu können. Inseln, Palmen, türkis-blaues Meer und fast immer schönes, warmes Wetter – was will man mehr?
Nun, 2014 machte ich eine Reise nach St. Maarten, und das Baden und die anderen genannten Vorzüge waren zweifellos willkommene „Goodies“. Doch der Grund für meine Reise war ein anderer, und der Leser kann es sich schon denken: Flugzeuge!
Weil diese Inseln vor allem vom Tourismus leben, müssen sie gut erschlossen sein, um die tägliche Besucherflut bewältigen zu können. Da dies mit Auto- und Eisenbahn schwer umzusetzen ist, bleibt nur das Schiff oder eben das schnelle Flugzeug. Um Flugzeuge ins Inselparadies holen zu können, braucht es Flughäfen. Diese wiederum benötigen mit ihren langen Pisten, Gebäuden und sonstiger Infrastruktur viel Platz, und Platz ist das, was auf einer (zumeist kleinen) Insel fehlt.
Deshalb verfügen diese Inseln fast alle über Flugplätze und Flughäfen, die an den unmöglichsten Orten gebaut worden sind. Die Anflüge sehen entsprechend spektakulär bis beinahe kriminell aus. Für Spotter und Fans sind diese Flugplätze deshalb zu echten Pilgerorten geworden.

12. November 2014

Princess Juliana International Airport

Der grösste Flughafen in dieser Region ist der Princess Juliana International Airport von St. Maarten. Die Piste wurde auf einer Sandbank gebaut und ist so schmal, dass es nicht genügend Platz für einen Rollweg hat. Das heisst, jedes gelandete Flugzeug muss ungefähr die halbe Pistenlänge wieder zurückrollen bis zur ersten Ausfahrt zu den Fingerdocks.
Das Spektakulärste ist aber der Pistenanfang, denn dieser befindet sich unmittelbar an einem Badestrand. Vom Ufer bis zum betonierten Anfang der Piste sind es gerade einmal 25 Meter. Dazwischen liegt der Badestrand und eine kleine Strasse. Ein zirka 2 Meter hoher Zaun markiert das Ende der Rollbahn. Da dies ein internationaler Flughafen ist, landen hier nicht nur die Inselhüpfer wie die Twin Otter oder die PC-12, sondern auch echte Grossraumflugzeuge wie die Boeing 747-400 der KLM oder die A340-300 der Air France. Ich selber kam mit der zweitgenannten Maschine an. Die KLM fliegt heute den Jumbo leider nicht mehr zu der kleinen Insel.
Eine interessante Randnotiz: Die Insel ist zweigeteilt. Der Norden gehört zu Frankreich, der Süden ist selbstständig geworden und gehörte früher zu den Niederlanden. Das Passieren der Grenze auf der Insel ist kein Problem. Ein Grenzstein, ein unbesetztes Wachhäuschen und eine grosse Pfütze markieren den Übergang.
Zurück zum Pistenkopf: Es ist wirklich spektakulär, an diesem herrlichen Strand zu baden und dabei die Flugzeuge nur wenige Meter über einen hinwegziehen zu sehen. Näher kann man wirklich nicht mehr an die Flieger herankommen, und das Panorama ist nicht zu toppen.

Auch die Starts sind sehr eindrücklich. Denn wegen des Windes müssen die Flugzeuge immer in derselben Richtung abheben, wie sie auch landen; Richtung Osten, also vom Strand weg. Die Airliner rollen dabei sehr nahe an den Badegästen vorbei – die meisten Piloten winken ihnen zu und drehen dann zur Piste ein. Anschliessend werden bei angezogener Bremse die Triebwerke auf Maximalschub hochgefahren. Wenn die Turbinen ihr volles Potential erreicht haben, lösen die Piloten die Bremse, das Flugzeug beschleunigt auf der Piste und rollt weg.
Da die Airliner so unglaublich nahe am Strand stehen, ist der Abgasstrahl extrem stark. Obwohl ausdrücklich darauf hingewiesen wird, hängen sich immer wieder Schaulustige an den Zaun, um den “ultimativen Aviatikkick“ zu holen. Ich muss zugeben, auch mich hat es gejuckt, dies zu tun, aber es ist wirklich nicht ungefährlich. Es hat sogar schon einmal einen tödlichen Unfall gegeben, weil sich eine Touristin nicht mehr am Zaun festhalten konnte. Sie flog über die Strasse und schlug mit dem Genick auf ein Verkehrsschild auf. Die Kräfte, die dabei wirken, und das Sand- und Steinmaterial, welches fortgeblasen wird, dürfen auf keinen Fall unterschätzt werden. Es handelt sich um Flugzeuge mit mehreren 100 Tonnen Gewicht, die da abheben sollen, und das benötigt dementsprechend enorme Energie.

15. November 2014

St. Barthélemy

Der Princess Juliana International Airport ist der grösste Flughafen in der Region, aber bestimmt nicht der einzige! Auf St. Barthélemy -eine Nachbarinsel, ca. 20 km südöstlich von St. Maarten entfernt- befindet sich der "Flughafen" Gustaf III Airport, dessen Anflug sich noch viel spektakulärer anzuschauen ist, als in St. Maarten. Zugegeben, er ist auch wesentlich kleiner, und einem Narrow-Body Airliner ist es unmöglich, dort zu landen. Die Piste ist mit etwas mehr als 600 Metern relativ kurz, doch das wirklich Besondere ist die Lage des Runways.
St. Barth ist eine sehr hügelige Insel ohne grosse flache Landflächen, was Voraussetzung für eine Piste wäre. Der einzige Ort ist eine Fläche umgeben von einer steilen Hügelkette in Hufeisenform. Dort, wo sich keine Hügel befinden, ist der Strand. Das heisst, der Flughafen wurde in ein kleines, knapp 700 Meter langes Tal gebaut, umringt von Hindernissen. Das Ende bildet den erwähnten kurzen Sandstrand mit anschliessender Lagune. Die Lage ist malerisch, doch der Anflug gestaltet sich sehr schwierig.
Da ein konstant starker Ostwind blässt (die Piste verläuft 10 / 28) ist es nicht möglich, vom offenen Meer, aus hindernisfrei zu landen; zu gross wäre der Rückenwind und zu hoch die Landegeschwindigkeit. Deshalb muss von Westen her über den Hügelkamm angeflogen werden. Als wäre dies nicht genug, befindet sich auf dem Kamm, genau in der Pistenverlängerung, noch ein Kreisverkehr, der die einzige Hauptstrasse von Nord nach Süd und den Flughafen und das Industriegebiet, welches für Strom- und Wasserversorgung zuständig ist, mit der Insel verbindet.
Die ankommenden Flugzeuge müssen sehr tief über diesen vielbefahrenen Verkehrsknotenpunkt anfliegen und möglichst steil herunterstechen, damit sie frühstmöglich auf der kurzen Piste aufsetzen können. Dadurch erhöht sich aber auch die Landegeschwindigkeit, was bei dem feuchten Ende der Piste eine echte Herausforderung für jeden Piloten sein muss.
Die beste Position, um alles beobachten und fotografieren zu können, ist der zuvor genannte Kreisel. Der gleich danebenstehende Windsack bewegte sich dabei fast nicht. Der Wind blässt konstant so stark, dass er immer waagrecht Richtung Osten zeigt; der Sack hätte auch aus Blech sein können.
Die dabei entstanden Bilder der sehr tief und steil anfliegenden Maschinen sind wirklich speziell geworden.

Die Anflugsperspektive auf St. Barthélemy

16. November 2014

Juancho E. Yrausquin

Der dritte Flughafen den ich besuchte war zudem der kleinste “Internationale” Flughafen der Welt: Juancho E. Yrausquin Airport auf der Vulkaninsel Saba. Dieser gehört zum Königreich der Niederlande und besitzt mit 877 Metern den höchsten Berg von Holland. Die gesamte Insel besteht aus viel Wald und sehr steilen Klippen. Platz für einen Flughafen gibt es eigentlich nicht. Im nordöstlichen Teil von Saba gibt es allerdings einen kleinen Felsvorsprung, der etwa auf einer Höhe von 42 Meter in das Meer hinausragt. Darauf wurde der Flughafen mit einer Pistenlänge von nur 300 Metern gebaut. Dies entspricht ziemlich genau der Länge der heutigen amerikanischen Flugzeugträger. Mit dem Unterschied, dass die Navy ihre Flugzeuge mit Fangseilen zum Halten bringt und diese mit Katapulten vom Deck schiesst. Vorrichtungen, die auf Saba nicht vorhanden sind und auch nichts bringen würden, da unsere Twin Otter weder über einen Fanghaken noch über die Montagevorrichtung für einen Katapultstart verfügte.
Kommt das Flugzeug ein wenig zu tief, zerschellt es an den Klippen, ist es zu schnell oder zu hoch, hat es nur 42 Meter Höhenreserve, um wieder abheben zu können und einen Neuanflug zu versuchen.
Schon der Anflug ist spektakulär: Man fliegt zuerst halbwegs um die Insel, parallel zu den mächtigen Felswänden des Vulkans. Schaut man durch den Mittelgang nach vorne durch das Cockpit, so kann man bald die viel zu kurze Piste auf den Klippen erkennen. Ich war deshalb sehr überrascht, als wir aufsetzten, dass die Twin Otter bis zum vollständigen Stillstand nicht einmal die Hälfte der Piste benötigte. Wir hingen nach dem Touchdown etwa zwei Sekunden lang in den Gurten, und dann standen wir auch schon. Die Kurzstart- und Landefähigkeiten dieser Zweimott ist wirklich beeindruckend.
Der Rest des Tages war leider sehr unspektakulär. Nur zwei Maschinen landeten an diesem Tag noch auf dem Flughafen, weshalb ich fast keine Bilder schiessen konnte. Aber dennoch war es ein eindrücklicher Ausflug gewesen.

Ich muss wohl nicht erklären, dass es sich lohnt, in der Karibik Ferien zu machen.
Wer aber ausser Baden noch etwas anderes unternehmen will, dem kann ich eine Insel-Hüpfer-Tour sehr empfehlen.